"grünen" Insel Rügen
November / Dezember 1978 - Winterbeginn wie jedes Jahr auf unserer "grünen" Insel Rügen, Schnee, Regen, ein bißchen Wind, Nebel und Sonnenschein.
Aber dann kam der 27. Dezember 1978 , es war ein Mittwoch mit Regen über Null Grad, ein richtig verregneter Tag war das.
Am Donnerstag (28.12.78) zeigte das Thermometer in Garz morgens 0°C und es fiel nasser Schnee ab ca. 3-4:00 Uhr.
Im Laufe des Vormittags kam der Wind aus NO, dieser steigerte sich zum Sturm und die Temperatur war langsam im Fallen begriffen.
Zur Arbeit bin ich gut von Garz nach Sassnitz Hafen gekommen. In Sassnitz der Blick nach draußen zeigte was sich anbahnte. Die See warf sich mit aller Gewalt gegen die Mole, schleuderte die Wassermassen in die Höhe und trieb es mit den Sturmböen bis in den Hafen und der Frost machte das Salzwasser zu Eis. Das Diensttelefon zeigte noch Leben, ein Gespräch nach Eberswalde vor Berlin sagte uns, das wir angeblich spinnen, wenn wir von Schneesturm reden. So langsam bekam ich die Befürchtung der Heimweg nach Hause wird schwerlich werden. Es kam noch ein Fährschiff und brachte die Kurswagen zum "Meridian" aus Malmö nach Jugoslawien. In diesem Zug sah ich meine letzte Reisemöglichkeit. Schon mit 2 Stunden Verspätung erreichten wir den Bahnhof Bergen. Nun hieß es auf den Bus zuwarten, denn dort lief schon nichts mehr nach Fahrplan.
Nachdem alle Verbindungen abgewartet wurden, um alle Leute nach Hause zu bekommen, fuhr gegen 17:30 Uhr der Bus von Bergen über Putbus Garz nach Stralsund ab. Die Landstraßen waren zum Teil schon ganz schön zugeweht. Nach 18:00 Uhr erreichte der Bus endlich Graz.
"Liebe Reisende, ich weiß, ich müsste noch nach Stralsund fahren, aber das wird nicht mehr gehen. Bis Dumsewitz muß ich noch." Das sind etwa 4 km von Garz. Ein Dutzend Reisende standen nun vor der Frage wie weiter. Der Bus kam nicht mal mehr nach Dumsewitz. Tage später haben wir diesen im Schnee gefunden.
Wetterkarte vom Jahreswechsel 1978/79
Ich war nun erstmal zu Hause und konnte meinen Koffer packen, für eine Silvesterfahrt nach Polen, in die Nähe von Gdynia.
Hier der wahnsinnige Fahrtbericht. Eigentlich war unsere Insel praktisch zugeschneit und nicht mehr so recht erreichbar. Die Aktuelle Kamera berichtete in ihrer Abendsendung am 28.12. Mit einem Bild von Stralsund: "Im Norden sind 5 cm Neuschnee gefallen. " Es war nur der eine Hinweis auf unsere Wettersituation auf der Insel und das wo sich viele Leute auf Silvesterreisen begingen. Freitag, der 29.12.1978 kam. Früh am Morgen sah ich die Bescherung, obwohl Weihnachten schon vorbei war, starkes Schneetreiben. Es wurde mir ja von mein Vorhaben abgeraten, aber ich sagte mir: "Wo ein Wille ist, findet sich auch ein Weg. "
Um 06:05 Uhr in Halbschuhe und großen Koffer stand ich an der Bushaltestelle in Garz, aber kein Bus war zusehen. Die Zeit drängte, denn bis zum Nachmittag mußte ich in Rostock sein, um dann gemeinsam mit meiner Cousine weiter in Richtung Polen fahren zu können.
Also wollte ich die 5 km zum nächsten Bahnhof von Garz nach Samtens zu fuß (in Halbschuhe) bewältigen. Aus Garz raus, nahm mich ein B1000 Kleinbus auf. Glücklich war ich, doch noch mein Ziel zu erreichen. Der Schnee flog nur so über das Fahrzeug hinweg, nur nicht stehen bleiben. Aber nach rund 3 km, streikte das Fahrzeug, ein Motorschaden. Eine halbe Stunde Zeit ging verloren. Nach dem Fahrplan der Eisenbahn, konnte mein Zug nicht mehr da sein. Die Weiterfahrt lief aber nur ein paar hundert Meter. Ein Pkw hatte sich hoffnungslos festgefahren.
Der Schnee türmte sich auf dem ersten Berg hinter Berglase schon auf gute 2 Meter.
Ein Lkw W50 und ein Traktor befreiten den Pkw und wir kamen im Schlepptau des W50. Mit volle Kraft und Schleuderfahrt ging es durch die Schneemassen nach Samtens. 07:30 Uhr endlich am Bahnhof.
Eine Auskunft ergab, das heute noch kein Zug den Bahnhof in Richtung Stralsund passiert hatte und mit einem Zug sei noch nicht zurechnen. Die Schranken schlossen sich, Hoffnung, nein, der Schneeflug für die Schiene durchfuhr als großer Schnee- und Eiskoloss den Bahnhof. Die Lok, die den Schneeflug schob, muß wohl eine Diesellok der Baureihe 120 gewesen sein.
Auf der Fernverkehrsstraße 96 bewegten sich noch Autos, mein weiteres Ziel wieder ein Auto.
Nach 10 Minuten ging es von Samtens aus weiter. Die Schneeberge am Straßenrand bestaunend, erreichten wir glücklich Stralsund. Bis zum Bahnhof wurde ich gebracht.
Es gab einen warmen Zug, 09:02 Uhr war Abfahrt laut Fahrplan, das klappte natürlich nicht, denn gegen 09:30 Uhr erreichte der erste Personenzug aus Sassnitz den Stralsunder Bahnhof.
Von 09:45 Uhr ging es auf Bummelfahrt nach Rostock, nach 13 Uhr erreichte der D-Zug den Hauptbahnhof.
Ein bißchen Zeit blieb nun. Rostock zeigte sich nur mit viel Schneematsch. Meine Halbschuhe wanderten im Koffer, denn ich kaufte mir hohe Winterschuhe. Ich glaube das war meine alleinige positive Entscheidung dieser Tage.
Mit meiner Cousine Monika sollte es dann ab Rostock um 15:35 Uhr weiter nach Polen gehen.
Der Winter bekam nun auch Rostock mehr in die Zange. Das schlimmste für die Eisenbahn ist Schnee und Eis in Weichen. Ganze zwei Stunden brauchte unsere Lock vom Bw zum Zug am Bahnsteig und um 19:25 Uhr mit vier Stunden Verspätung verließ der Zug den Hauptbahnhof Rostock. Eigentlich waren wir ein Eilzug, aber bis Güstrow heilten wir an jeder Haltemöglichkeit, da in den letzten Stunden Züge ausgefallen waren.
Auf die Deutsche Reichsbahn war verlass, wir hielten unsere Verspätung bis zum Grenzbahnhof Szczecin. Ankunft 03:10 Uhr am Sonnabend, den 30.12.1978 . Eine Stunde Pass und Zollkontrolle und der Zug hätte weiter fahren können. Doch in dieser einen Stunde waren die Bremsen des Zuges buchstäblich angefroren. Rückwärts und Vorwärts bewegte sich der Zug und konnte sich doch nicht richtig entscheiden. Schließlich erreichten wir den Hauptbahnhof von Szczecin um 07:30 Uhr. Es ist toll, Luftlinie Rügen - Szczecin ca 150 km, und die haben wir in 24 Stunden bewältigt. Diese Stadt zeigte sich in nur in wenig Weiß, aber es müssen unter -20°C auf dem Thermometer gestanden haben, so empfindlich kalt war es draußen. Und runde 350 Kilometer Zugfahrt bis zu unserem Ziel nahe Gdynia lagen noch vor uns.
In zwei Zügen saßen wir dann, die eigentlich unsere Richtung fahren sollten. Aber nach ein bis zwei Stunden leerten sich die Züge wieder. Das Problem in den Zügen dort, so lange sie auf dem Bahnhof standen wurden sie nicht beheizt. Mit der Zeit sammelten sich in der Bahnhofshalle so viele Menschen an, das bald ein umfallen unmöglich wurde, einen Vorteil hatte es aber, es war nicht so bitter kalt. Der zweite Zug in Richtung Gdynia wurde förmlich gestürmt, durch geöffnete Fenster stiegen die Leute ein, um einen Sitzplatz zubekommen. Uns beiden blieb nur die 1. Klasse, eine Fahrkarte dafür hatten wir zwar nicht, aber einen Sitzplatz. Mit den Füssen wurde wärme getrampelt, kam eine Durchsage, die wir sowieso nicht verstanden, war es Mäuschenstill im Wagon. Bis wohl die entschiedene Durchsage kam, das auch dieser Zug nicht fahren wird.
Nun gab es nur noch ein Beschluss, denn es war schon Mittag durch und das einen Tag vor Silvester, wenn wir den Jahreswechsel nicht auf den Szczeciner Bahnhof feiern wollten, konnte uns nur noch ein Zug zurück in die DDR bringen. Eine Auskunft dazu mussten wir uns erst erkämpfen, die Menschenmassen und die Sprache. Aber es sollte noch ein Zug nach Berlin geben, das musste unser sein. Im übrigen gab es auch ein Mittagessen in der dortigen Bahnhofsgaststätte. Es war Rinderbraten, das Fleisch war bestimmt schon seid Ostern in der Küche, es war nicht genießbar.
Gegen 16:00 Uhr saßen wir wieder in einem Zug, dessen Fahrziel Berlin war. Eine halbe Stunde etwa dauerte der Lockwechsel, aber sie reichte aus, das die Heizung des Zuges nicht mehr funktionierte. Zum Glück war dieser Zug nicht überfüllt, so das alle Reisende in den ersten beiden Wagons hinter der Lock platz fanden und vor allem es warm hatten. 19:10 Uhr verließen wir den Bahnhof der vielen Menschen und Kälte. Filmreif sind die dortigen Szenen gewesen. Aber die DDR bekam uns wieder, 23:05 Uhr Angermünde Bf, auch hier kalt und kaum Schnee. Bei der Deutschen Reichsbahn lief aber der Zugverkehr noch.
Der letzte Tag des Jahres 1978, Sonntag, der 31.12. brach an und hatte sogar einen Anschlusszug für uns. Aus Erfurt zur weiterfahrt nach Stralsund um 0:30 Uhr ab Angermünde. Zwar runde 13 Stunden Verspätung, aber er fuhr und brachte uns nach Stralsund, dessen Bahnhof wir um 05:10 Uhr erreichten.
Es war Silvestermorgen, und fast jeder hatte ein Fläschchen in seinem Gepäck. Also feierten einige schon Silvester, denn wer weiß wo man an diesem Tag noch landen würde. Eine Frau, mittleren Alters, wollte wohl nach Anklam. Ob der Zug fährt oder hält, das nahm sie nicht mehr wahr. Am aussteigen musste ich sie hindern, denn während der Fahrt, wäre es der sichere Tod gewesen.
Mit Greifswald kamen die Schneeberge. Oh, da fährt bestimmt nichts mehr nach Rügen. Die Auskunft in Stralsund brachte Gewissheit. Um 08:00 Uhr sollte ein Zug nach Rostock fahren. Monika schrieb später, der Zug ist tatsächlich zu der vorausgesagte Zeit gefahren und brauchte nur 12 Stunden bis Rostock, damit war Silvester für Monika gelaufen.
Und nach Rügen?
"Auf Rügen ist alles dicht, aber am Bahnsteig 5 haben wir noch ein Zug in etwa 15 Minuten nur bis Samtens! " Was wollte ich mehr. Die Abfahrt ließ tatsächlich nicht lange auf sich warten. Mit vier Loks, zwei vorne und zwei hinten, um den Zug ohne Rangierfahrt nach Stralsund zurück zubekommen. Auf dem Rügendamm ein Betriebshalt, keine Einfahrt in Altefähr. Dunkelheit und das heulen des Sturmes. Autos fuhren wohl seid vielen Stunden nicht mehr, denn in Stralsund vor der Ziegelgrabenbrücke stand auf der Straße ein Verkehrsschild - Verkehrsverbot für Fahrzeuge aller Art. Ein Gang durch den Personenzug und ich fand einen ehemaligen Lehrer aus Garz, der auch nach Hause wollte. Wir beschlossen gemeinsam den Weg von Samtens nach Garz zu bewältigen.
07:30 Uhr, der Bahnhof Samtens hatte mich wieder, genau vor 48 Stunden versuchte ich hier mit den Zug zufahren, nahm aber ein Auto, nun hatte mich aber ein Zug wieder zurück gebracht.
Die schönen Seiten des Winters
Eine kurze Aufwärmephase in der dortigen Gaststätte bei heizen Tee. Der große Koffer blieb auf dem Bahnhof nur meine Fotokamera wurde zum Begleiter. Der Marsch begann noch im dunkeln. Das Schneetreiben ließ nicht zu, das ich ahnen konnte, wie hoch der Schnee eigentlich lag. Zum Glück war dieser weich beim fallen. Nach 08:00 Uhr kam auch Licht zu dem Treiben, aber sehen konnten wir nur wenige Meter.
Die Schneemassen versperrten uns des öfteren den Weg, so das wir gezwungen wurden immer wieder die Straße zuverlassen. Bis zu 4 Meter türmten sich die Berge auf. Wir kämpften verbissen, kalt war uns nicht. Einen Vorteil hatte ich auf diesen Weg, ich wusste wo sich die großen Schneeverwehungen aufbauten. Damit konnte ich immer rechtzeitig sagen, wann und wo wir die Landstraße verlassen mussten. Aber acht mussten wir geben, die Straße nicht aus den Augen verlieren. Kaum 10 bis 20 Meter Sicht und Seitenwind, eine Leichtigkeit dachte ich, die Wirklichkeit belehrte uns. Den Marsch alleine zu unternehmen wäre tödlicher Wahnsinn, die Bewegung machte warm, aber auch müde und wer dann im Schnee hinfällt, nicht wieder aufsteht und keine Hilfe hat, ist verloren.
In Berglase habe ich im Schutz eines Hauses gestanden und mir das Eis aus meinem Gesicht entfernt. Mein Kinn war schon taub von der Kälte.
Der schlimmste Teil des Marsches folgte. Ortsausgang von Berglase ein Waldstreifen, der mit seinem Ende dem Wind freien Lauf bot, aber im Schutz des Waldes eine Schneewand, ich weiß nicht wie hoch, sogar die Straßenbäume versanken in dieser Wand. Wir mussten durch den Wald auf das angrenzende Feld, um den Schneeberg zu umgehen, aber ein Zurück auf die Straße gab es für die nächsten 500 Meter nicht, denn ein Straßengarben würde zur Falle werden. Auf dem Feld mussten wir eine Senke queren, bis zur Hüfte versanken wir.
Der Weg von Gützlafshagen brachte die Erlösung, wir hatten die Landstraße wieder unter den Füßen. Runde 90 Minuten dauerte der 5 km lange Marsch durch den Schneesturm, es waren wohl aber die schlimmsten Minuten von den zurückliegenden über 50 Stunden.
"Wo kommst du bei diesem Wetter her? " war die Begrüßung zu Hause als ich vor der Tür stand.
Wer eine Reise macht, kann viel erzählen, und das konnte ich.
Auch über die Tage meiner Abwesenheit kann ich von der Insel berichten.
Was geschah nun während meiner Abwesenheit auf der Insel?
In der Sonnabendausgabe der Ostsee-Zeitung (30./31.12.) Wurde unter folgenden Schlagzeilen berichtet: "Mit Eis und viel Schnee hielt der Winter Einzug ", auf der Lokalseite stand:
"Im Kampf gegen Sturm und Schnee - Bis zu zweieinhalb Meter hohen Verwehungen
Der seid Donnerstag tobende orkanartige Schneesturm führte auf Rügen zu außergewöhnlichen großen Schwierigkeiten im Straßenverkehr. ... So mußten bereits am Vormittag sämtliche Nebenstraßen gesperrt werden. Gegen 13:00 Uhr wurde der Verkehr auch auf der Transitstrecke Saßnitz - Altefähr unmöglich.
... Auf Grund der komplizierten Lage mußte Freitag morgen der Busverkehr eingestellt werden. ... Bei Teschenhagen lag gestern mittag ein Personenzug fest. Die Kleinbahn fuhr nur ihre Frühtour Göhren - Putbus.
Am Dienstag, den 02. Januar 1979 wurde unter: "Höchster Einsatz im Kampf gegen Schnee, Eis und Sturmböen " berichtet:
Extreme Witterungsbedingungen in ganz Nord- und Mitteleuropa durch Blizzard - Atmosphäre. Zehntausende Bürger des Ostseebezirkes im Kampf gegen die Unbilden der Natur. Schwere Technik und Kettenfahrzeuge der NVA räumen Hauptverkehrswege zur Insel Rügen. Hubschrauber der Volksmarine versorgen Hiddensee. Hochwasser an der Ostseeküste geht zurück, Abbrüche an Dünen, Saßnitzer Mole beschädigt.
Am 03. Januar konnte man auf der Lokalseite lesen:
Seit gestern wieder Zugverkehr nach Bergen - Teschenhagen auf Rügen - 80 Stunden dramatischer Kampf gegen die Naturgewalten.
Am Freitag (29.12.78) blieb gegen 18:45 Uhr an dem Bahnübergang der F196 der Personenzug stecken, die etwa 80 Reisenden konnten erst nach rund acht Stunden befreit werden. Auf den Schienenweg wurde erst eine, dann eine zweite Lok in Richtung Teschenhagen geschickt, die den Zug befreien sollten. Beide Loks fuhren sich bei den ständig stärker werdenden Schneetreiben ebenfalls fest.
... Über vier Tage kein Zugverkehr auf der wichtigen Eisenbahnstrecke Stralsund - Saßnitz - das hat es noch nie gegeben.
Der Fährverkehr zwischen Saßnitz und Trelleborg wurde ebenfalls eingestellt. Die Ostsee-Zeitung berichteten über Hubschraubereinsätze zur Versorgung und medizinischer Betreuung auf der Insel Rügen.
Der Kampf gegen die Schnee- und Eismassen auf der Insel ging voran, so berichtete die OZ unter anderem am 04. Januar 79:
F96 ist bis Sagard frei für Versorgung -jetzt wird die Eisenbahnstrecke nach Lietzow von Schnee geräumt.
Nachdem auf der Eisenbahnstrecke Bergen - Stralsund bereits am Dienstag wieder erste Probezüge rollten, wurde gestern mit allen Mitteln versucht, einen Durchbruch in Richtung Lietzow zu erzielen. Aber schon knapp zwei Kilometer hinter Bergen, wo auf über 300 Meter bis zu sechs Meter hohe vereiste Schneeberge lagen - sie sind mit Flugsand vermischt und daher fest wie Beton - ging es nur Zentimeterweise voran.
Die Besatzung einer aus Obisfelde bei Magdeburg kommenden Schneefräse konnte sich nicht an eine ähnliche Situation erinnern. Ein wenig leichter hatte es die Fräse nachdem ein Kommando der NVA die Schneemassen durch Sprengung etwas auflockern konnte.
"Die großen Hornissen mit Kurs auf die Insel "
... Blick aus 50 Meter Höhe.
Wir fliegen zurück und ziehen in 50 Meter Höhe nochmals eine Schleife, um den Kampf von weit über 100 Genossen der NVA bei der Freischippung von Schienen nördlich von Lietzow zu verfolgen. Hier werden Heldentaten vollbracht. Und nicht nur hier. Auch an anderen Stellen sehen wir wieder Einwohner der Insel, die schlicht und einfach ihre Pflicht tun...

"Hubschrauber rettete Achtjährigen "
Während eines Versorgungsfluges nach der von der Außenwelt abgeschlossenen Ortschaft Schaprode erhielt die Helikopterbesatzung um Korvettenkapitän Kähler über Funk die Nachricht, das ein achtjähriger Junge aus Trent unverzüglich ins Bezirkskrankenhaus Stralsund zu überführen ist, da sich bei dem Jungen einsofortiger Blutaustausch erforderlich macht. Auf einem eilends vorbereiteten Landeplatz in Trent erfuhr die Besatzung, das der kleine Patient mit Hilfe von Traktoren herbeigeschafft würde. Da die Besatzung beim Landeanflug zwei im tiefen Schnee stecken gebliebene Traktoren entdeckte hatte, entschloss sie sich zu einer zweiten Landung auf freiem Feld neben den Zugmaschinen. Damit wurde dem Kind rechtzeitig Hilfe zuteil.
Die Zeitungen berichten über Unwetter mit Kälte und Schnee in ganz Europa.
Doch die Menschen werden Heer dieses ungewöhnlichen Wetters.
Die Lokalseite der OZ berichtet am 05. Januar 79 über unsere Insel:
Seit gestern Zugverkehr nach normalen Fahrplan. Eine bis zu sechs Meter hohe betonharte Schneebarriere blockierte unweit der Kreisstadt tagelang die Eisenbahnstrecke Bergen - Saßnitz. Sie mußte mit starken Sprengladungen aufgelockert werden, erst dann gelang es, die etwa 300 Meter lange Verwehungen mit einer aus Obisfelde herangeholte Schneefräse zu beseitigen. Auf ähnliche Weise mußte noch an vier weiteren Stellen verfahren werden, so u.a. bei Sabitz und Borchtitz. Mittwoch Abend um 22:30 Uhr kam in Bergen der erste Zug aus Saßnitz an. Es war der D 317, wenige Minuten später verkehrte in umgekehrter Richtung der erste Personenzug.
Auch die Zeitung der Eisenbahner " Fahrt Frei " Nr. 1/79 berichtet über diesen Winter.
So kam vom Fährschiffamt Saßnitz folgende Zeilen:
Ich bin (Herbert Brese) gut zwanzig Jahre im Fährschiffbetrieb,aber so " verrückt " habe ich Sturm und Meer noch nie erlebt. An sieben Stellen wurde die Saßnitzer Mole durch die schwere See beschädigt. Auf der " Rostock " entgleisten vier Güterwagen, die Besatzung und die Werkstatt brachten das zügig wieder hin. Am 30. Dezember kippten durch einen Seeschlag gegen vier Uhr früh auf der " Sassnitz " in Höhe von Kap Arkona zwei Güterwagen um, die Spannschrauben zum Festmachen der Wagen brachen, und so mußten von der Besatzung die Wagen entladen werden. ...
Von der Bahnmeistere Bergen wurde folgendes Berichtet:
Am 28. Dezember früh begann leichter Schneefall, der immer dichter wurde. Der Wind schwoll bis zur Stärke zehn an. Wir mobilisierten sofort alle Kräfte, setzten den Schneeflug ein. Doch das Wetter wurde von Stunde zur Stunde stärker, gegen 23:00 Uhr des 29. Dezembers blieb schließlich der Personenzug 4136 zwischen Teschenhagen und Bergen am Posten 15 im Schnee stecken. Die Strecke mußte gesperrt werden. Obwohl wir alle verfügbaren Kräfte, sämtliche Schneeräumtechnik aufboten und sogar drei Triebfahrzeuge einsetzten, war es unmöglich, den Zug aus den Schneemassen zu befreien. Die Reisenden konnten jedoch am 30. Dezember gegen 02:15 Uhr unversehrt mit Bussen weiterbefördert werden.
Am 31. Dezember waren wir bereits völlig abgeschnitten. Die Schneewehen türmten sich bis zu fünf Meter hoch. Am 02. Januar konnte wir ertmals wieder aufatmen - die Strecke Stralsund - Bergen war wieder befahrbar. ...
Am 01. Januar 79 konnte man ein merkliches nachlassen des Sturmes spüren und am 02. Januar konnte man gar wieder aufatmen, am Nachmittag zeigte sich die Sonne, es gab sie noch. Nun war die Zeit für meine Fotokamera gekommen, solange der Schnee frisch war. Unser Außenthermometer zeigte den Tiefstwert der Unwettertage mit -17°C an. Unser Hof mußte als erste wieder begehbar gemacht werden. Auch die Tierwelt traute sich wieder heraus. Die Vögel waren ausgehungert und trauten sich somit ziemlich nahe an den Menschen und nahmen Futter fast aus der Hand. Für die kleine Annett war es eine besondere Welt, noch nie hatte sie solche Schneemassen gesehen. Ich kannte den Winter so aber auch nicht, selbst mein Vater (Jahrgang 23) hatte solch ein Winter noch nicht miterlebt.
Ganze Häuser sind im Schnee versunken, bizarre, weiße Welten haben sich gebildet. Landstraßen ahnte man nur noch an Hand von Baumkronen, oder man wußte es einfach, wo die Straße sich befindet.
Mittwoch, der 03. Januar 79, kam, an diesem Tag meldeten wir uns im Rathaus. Eigentlich hatte ich Urlaub, aber ich wollte mit bei sein, den Schnee zu bekämpfen mit Schaufel und Fotokamera.
Schneemassen auf der Landstraße von Garz nach Zudar
Der erste Einsatz ging auf die Landstraße von Garz aus in Richtung Zudar, denn eine lebenswichtige Straße für die Kleinstadt, denn aus dem Gebiet kam unser Trinkwasser. Zwei Tage schon kam kein Wasser. Imposant wie ein Bagger sich durch den Schnee schaufelt, wenn es um Meter ging, waren wir mit unser normalen Schaufel verloren. Immer noch war der Schnee in Bewegung, so trieb das hinter uns mit leichten Verwehungen wieder zu.
Wir schlugen mit unserer Muskelkraft Querschneisen auf der Landstraße,
damit dann die Räumtechnik es wesentlich leichter beim schieben hatte.
Oft lag auf offenen Feld nur wenig Schnee, aber kam eine Böschung, ein
Baum, ein Strauch, oder gar ein Schneezaun, türmte sich der Schnee dahinter
auf. So verging der Tag wie im Flug, ach nein im " Schnee ".
Auch ich unternahm am Donnerstag, den 04. Januar 79, meine erste Fahrt
nach dem Schneesturm über die Insel. Die kleine Annett mußte von
Garz nach Bergen endlich nach Hause.
Gegen 08:40 Uhr machten wir uns auf den Fußmarsch von Garz in Richtung Samtens.
Ungefähr in Höhe Abzweig Gützlafshagen nahm uns ein Kleinbus B1000 nach Samtens mit. Dort angekommen, erkundigte ich mich erstmal nach der Abfahrt des nächsten Zuges in Richtung Bergen und der sollte erst nach 11:00 Uhr fahren. Der richtige Fahrplan der Deutschen Reichsbahn war ja außer Kraft. Also entschloss ich mich es weiter auf der Straße zu versuchen. Es gelang nach einer halben Stunde Wartezeit, der gleiche B1000 nahm uns wieder mit. Das vertraute Inselbild hatte ein ganz anderes Aussehen bekommen, überall Schneeberge, man konnte es ahnen, welchen Kampf Tage zuvor die schwere Räumtechnik, sogar Panzer der NVA, ausgestanden hatten. So z.B. die Stönkvitzer Kurve und auch der Bahnübergang zwischen Teschenhagen und Bergen, wo ja der Personenzug rund 80 Stunden im Schnee steckte. Gegen 10:30 Uhr waren wir dann in Bergen Süd. Annett war wieder zu Hause.
Um 14:00 Uhr war ich wieder auf dem Bergener Bahnhof für Heimfahrt. 14:40 Uhr war abfahrt. Das Ein- und Aussteigen machte Probleme, denn nur eine Schiebetür des Doppelstockzuges funktionierte, die andere waren vereist und zugefroren.
Ab Samtens hatte ich dann meinen Koffer von der Polenfahrt als Begleiter. Auch auf diesen Marsch gab es einen freundlichen Kraftfahrer.
Am Abend lärm vor dem Haus, zwei schwere Traktoren standen vor der Tür. Schwager Kalle wollte seine Tochter Annett abholen. Ich mußte ihm sagen: "Sie ist schon zu Hause. "

Der Freitag (05. Januar) war dann wieder dem Räumeinsatz gewidmet. An diesem Tag wurde in der Stadt von einigen Nebenstraßen der Schnee geräumt und mit LKWs nach außerhalb gefahren. Aber man wußte auch nicht so recht uns zu beschäftigen, so gab es am Nachmittag die Bestätigung für den Einsatz zur Vorlage im Betrieb. Jetzt gab es das verdiente Wochenende.
Am Montag, den 08. Januar, der erste Versuch um nach Saßnitz zur Arbeit zukommen scheiterte schon in Garz an der Bushaltestelle, es hatte geregnet bei Minusgraden, das ergab bestes Glatteis
Dienstag, der 09. Januar, wurde mein erster Arbeitstag im neuen Jahr. Fast pünktlich kam ich nach Saßnitz zur Arbeit im dortigen Fährhafen. Die Saßnitzer Mole war nicht wieder zuerkennen, Eis über Eis und an mehreren Stellen war sie durchbrochen. Auf der Zugfahrt war leider nicht viel zusehen, da es von der Tageszeit her dunkel war. Der erste Arbeitstag brachte mit der Heimfahrt auch einen Reinfall, der Zug nach Feierabend hatte zwei Stunden Verspätung und um 19:00 Uhr fuhren ab Bergen keine Busse mehr, so mußte ich in Bergen bleiben.
Am nächsten Tag (10.) war ich schlauer, ein Zug früher nach hause. Nun konnte ich mein Fahrstrecke auch bei Licht sehen, wenn der Zug nicht gerade wie durch einen Schneetunnel fuhr. Das Weiß in der Landschaft blendete - Schnee, Schnee und Schneeberge.
Neuschnee von 5 cm und Wind taten wieder ihre Arbeit, aber der Bus fuhr am Donnerstag früh (11. Januar) pünktlich um 05:00 Uhr nach Samtens, aber bis 07:45 Uhr war noch kein Zug zur Weiterfahrt eingetroffen. Unser stand in Rambin, für die Gegenrichtung in Bergen. Das schönste an der Sache in Teschenhagen stand wieder ein Zug im Schnee fest, diesmal ein Güterzug. Der Bahnhof in Samtens wurde zum Treffpunkt von vielen Menschen, die zur Arbeit wollten, inzwischen für fünf Züge. Ich entschied mich durchgefroren für den Bus nach Hause. Bis Freitag mittag war Schienenersatzverkehr.
In den nächsten Tagen normalisierte sich aber das Leben auf der
Insel, das Wetter brachte uns im Januar keine Überraschungen mehr.
So soll auch von schönen Wintertagen die Rede sein. Eine
Winterwanderung am 10. Februar 1979, als Begleiter wieder meine Fotokamera,
bei herrlichem Sonnenschein auf die Landstraße nach Karnitz. Eine gute
Ausbeute bracht diese Wanderung. An diesem Tag kam es auf der Insel zu einen
folgenschweren Verkehrsunfall. Ursache sind diese gewaltigen Schneeschluchten,
besonders gefährlich in Kurven. In der Nähe der Abzweigung nach
Buschwitz stießen ein PKW Trabant - Kombi mit einen Linienbus frontal
zusammen. Der Bus sagte mit seiner Heizung das Benzin des Trabanten an, im
nu stand alles in Flammen. Währende die 63 Fahrgäste den Bus unverletzt
verlassen konnten, geistesgegenwärtig öffnete der Busfahrer die
Türen, konnten die drei Insassen des PKW nur noch tot aus den Flammen
geborgen werden. Beide Fahrzeuge brannten vollständig aus.
In der Nacht von Sonnabend zu Sonntag (11. Februar) herrschte starker Nebel, der für üppiger Reifablagerung sorgte. Die Sonne löste am Sonntagvormittag den Nebel für eine Stunde etwa auf, bestes Fotowetter mit super Motive. Auch der Montag (12.02.) Kam mit Nebel, aber nicht die Sonne vertrieb diesen, das machte der Wind und er nahm auch die Märchenwelt mit sich.

Blick zum Wallberg in Garz schöne Märchenwelt
Der Hundertjähriger Kalender 1979 sagt für Februar:
13. Sturm
14. Stark geschneit
Der 13. Februar 79 brach an, aber dieser Tag zeigte sich noch fast normal in seinem Wetter, aber nur der Vormittag. Der gefürchtete starke Wind suchte uns wieder heim, außerhalb der Ortschaften begann es wieder mit Schneetreiben. Was sagte der Wetterbericht, keine Panikmache, alles normal. Die Heimfahrt von Saßnitz verlief an diesem Tag noch pünktlich.
vollbrachtes Winterwerk in der Wendorfer Straße von Garz
Nur auf den Streckenabschnitt Karnitz - Garz gab es in den Schneeschluchten schon leichte Schwierigkeiten.
Der Wind nahm in der Nacht noch an Stärke zu, da konnten wir nur froh sein, das kein Schnee von oben viel, der Wind mußte sich mit dem begnügen was er am Boden fand.
04:15 Uhr am Mittwoch, den 14. Februar 79, mein Wecker mahnt zum aufstehen. Der erste Blick durchs Fenster in den dunklen Morgen - es schneite und der Wind war nicht zu überhören. Seinen guten Willen wollte man zeigen und wir suchten die Garzer Bushaltestelle auf. Die Abfahrtszeit 04:50 Uhr war überschritten, aber kein Bus kam. Gegen 05:00 Uhr kam der Bus aus Putbus zur Weiterfahrt nach Stralsund über Poseritz. Von Putbus ist er ja gekommen, somit ist also jene Landstraße frei gewesen. Der Busfahrer Lothar rief uns gleich zu: " Nach Samtens könnt ihr mitkommen! " Über Poseritz konnte er sich mit dem Bus nicht mehr wagen. Alles was nach Samtens wollte stieg ein, wie fast immer habe ich ganz vorne gesessen. Der Bus verließ Garz, in der Hoffnung, das wir unseren Zug bekommen.
Welch ein Bild zeigte sich unsren Augen, starkes Schneetreiben im Scheinwerferlicht.
Meine Gedanken: " Wenn du das gewusst hättest, währst du erst
gar nicht in Bus eingestiegen. " Aber nun saß ich drine.
So quälte sich der Bus durch bis Berglase. Vor dem Wäldchen
sah es wieder ganz gefährlich aus. Ich mußte an meinen Fußmarsch
von Silvester denken. Auch diese Hürde schaffte der Bus, bis in Berglase
das erste Hindernis kam. Ein LKW stand quer auf der Straße und wollte
einen zweiten aus einer Hofeinfahrt ziehen. Nun wurde mir schon vollkommend
klar, von Samtens wird es kaum einen Rückweg geben, wenn du mit den
Zug weiter in Richtung Saßnitz fährst. Mein Hoffnung lag nun in
den Busfahrer, denn Lothar wohnte auch in Garz.
Die Fahrt ging erstmal weiter von Berglase in Richtung Samtens. Im Scheinwerferlicht sah ich nur Schneetreiben. Auf den ersten Berg hinter Berglase zeigte sich wieder ein grausames Bild, eine nächste Schwierigkeit gab es zu bewältigen. Die Straße hatte nur noch eine Spur und war zu hälfte zugeweht bis zu 1,50 m hoch. Auf der linken Straßenseite in die noch befahrbare Seite hinein, die Sicht war fast null. Plötzlich tauchten zwei Lichter im Schnee vor uns auf, also mußte die Straße in Richtung Samtens noch befahrbar sein, aber das war in diesem Moment vorbei. Keiner der beiden Fahrzeuge konnte ausweichen. Ein LKW stand uns gegenüber. Der Bus war erst wenige Meter in diese Spur gefahren, also zurück, denn hinter uns war die Straße breiter. Nach der Freigabe der Straße folgte das Lichtzeichen, der LKW sollte kommen. Wer aber im Schnee einmal steht mit seinem Fahrzeug, der steht und hat es schwer weiter zukommen.
"Alles Scheiße, wir fahren zurück! " Der Busfahrer mußte meine Gedanken kennen und wörtlich ging es im Rückwärtsgang bis Berglase zum wenden. In Berglase kam uns der Werftbus entgegen, auch er drehte und im Konvoi traten wir die Heimfahrt an.
Ein Fahrgast verließ uns, ein Eisenbahner, er mußte unbedingt die Nachtschicht in Teschenhagen ablösen - Achtung für diese Menschen. Ein anderer wollte nach Berlin, schimpfte über die Rückfahrt, wagte aber nicht den Fußmarsch auf sich zunehmen. Ich sagte ihm nur, das er froh sein solle den kürzeren Weg zurück zu schaffen.
Nach 45 Minuten war das Erlebnis Geschichte, wir waren wieder in Garz, der Busverkehr wurde eingestellt. Die Insel Rügen war wieder in weißer Hand, keine Verbindungen mehr zum Festland, jeder Ort war auf sich selbst gestellt.
Der zweite schwere Schneesturm hat die Oberhand.
Glücklich waren die Menschen , die in der warmen Stube zu Hause sein konnten, ich gehörte dazu. Am Mittwoch Nachmittag muß der Höhepunkt des Sturmes erreicht sein. Nicht mal mehr über die Straße konnte man schauen. Der 100 Meter entfernte Wallberg (Parkanlage) war für Stunden nicht mehr zu sehen. Die Abendnachrichten sagten: " Im Norden der Republik geht nichts mehr, Eisenbahn und Straßenverkehr kamen zum erliegen.
Mit Spannung und Schrecken erwachte ich am Donnerstag, 15. Februar 79. Der erste Blick durchs Fenster, der Schneesturm war noch Wirklichkeit. Der zweite Blick aus der schweraufgehende Hoftür - ein gewaltiger weißer Berg deutete sich im Treiben an, die andere Hofhälfte füllte er bis zum Dach der Scheune aus.
Der Schneesturm hatte sein Werk längst vollendet, aber er tobte sich richtig aus. Konnte man überhaupt noch sagen, das es schneit, vielleicht lässt der Wind den Schnee nur nicht liegen?
Wie gewaltig ist doch diese Naturkraft, wo der Mensch sich hilflos in seinen modernen Höhlen verkriechen muß.
Die zweite Tageshälfte brachte Erleichterung, der Wallberg kam wieder in Sichtweite.
Mit meiner Fotokamera gab es einen Stadtrundgang.
Viel Arbeit wird es wieder geben. Ganze vier Tage wurde die Schaufel zum ständigen Begleiter, um unsere Kleinstadt wieder an die Außenwelt anzuschließen.
Am 20. Februar erfolgte die erste Fahrt nach Saßnitz zur Arbeit. Die Ostsee führte Eis von Saßnitz bis Trelleborg. Die Mächtigkeit des Eises wurde vor Rügen in Meter gemessen, gar bei schönem Wetter blieb das Fährschiff " Sassnitz " im Eis stecken. Der Frühlingsmonat März war noch weiß im Schnee. Noch im April zeigten sich die Reste der einstigen Schneeberge von Rügen. In nur Stunden hatte der erste Sturm die Saßnitzer Mole zerstört, aber 10 Jahr dauerte der Wiederaufbau.
Kampf im Eis
Der Frühling schafft es!
Wie würde solch ein Winter heute nach über 20 Jahren die Menschen zusammenhalten im Kampf gegen diese Naturgewalt?
Würden sie freiwillig mit der Schaufel in der Hand auf die Landstraße gehen?
Wohl nur für Geld!